„Lieb deinen Körper.“ Dieser Satz begegnet einem überall, in der Werbung, auf Instagram, in gut gemeinten Ratschlägen von Freunden. Und für viele klingen sie weniger nach Befreiung als nach einer weiteren Aufgabe, die man nicht schafft.
Wenn du ein negatives Körperbild hast, kennst du das vielleicht. Du hast es versucht. Du hast dir vorgenommen, deinen Körper endlich zu mögen, bist den richtigen Accounts gefolgt, hast dir die richtigen Sätze gesagt. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass es nicht greift. Als würdest du dich selbst belügen.
Vielleicht liegt das aber gar nicht an dir. Vielleicht war Liebe nie das Ziel, das du brauchst.
Warum „lieb deinen Körper“ ein negatives Körperbild nicht löst
Der Rat klingt nach dem Gegenteil von Selbstkritik. In Wahrheit bleibt er im selben Spiel. Denn ob du deinen Körper schlecht findest oder ihn unbedingt lieben sollst, in beiden Fällen steht er vor Gericht. Es ist dieselbe Bewertung, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
Dazu kommt ein zweiter Haken: Gefühle lassen sich nicht befehlen. Du kannst dir nicht vornehmen, etwas zu empfinden, und es dann auf Knopfdruck fühlen. Wenn die Liebe also ausbleibt, hast du nicht nur weiter ein Problem mit deinem Körper, du bist jetzt auch noch daran gescheitert, ihn zu lieben. Zwei Niederlagen statt einer.
Kurz gesagt scheitert der Rat aus drei Gründen:
- Er bleibt eine Bewertung. Loben ist auch Benoten.
- Er befiehlt ein Gefühl. Und Gefühle gehorchen nicht.
- Er macht aus dem Körper-Thema ein zweites Versagen, wenn die Liebe nicht kommt.
Für queere Männer kommt noch etwas dazu, das den Rat besonders bitter macht.
Warum das für queere Männer besonders bitter ist
Sich selbst „lieb deinen Körper“ zu sagen, ist eine Sache. Es zu fühlen, während man in einem Umfeld lebt, das einen sehr schmalen Körper feiert, eine ganz andere. In der schwulen Szene ist ein bestimmtes Ideal so präsent und so sichtbar, dass Selbstliebe sich oft anfühlt wie schwimmen gegen den Strom. Du sollst deinen Körper lieben, während dir überall gezeigt wird, welcher zählt.
Dazu kommt eine ältere Schicht. Viele von uns sind mit dem Gefühl groß geworden, dass an uns etwas grundsätzlich nicht stimmt. Wer das in sich trägt, für den ist „lern dich einfach zu lieben“ nicht nur schwer, sondern manchmal fast ein Hohn. Es wird zur nächsten Bühne, auf der man sich beweisen muss, und auf der man wieder scheitern kann.
Vielleicht kennst du das, oder jemanden, auf den es passt. Nennen wir ihn Lukas. Lukas hat alles richtig gemacht. Er folgt den body-positiven Accounts, hat die Affirmationen am Spiegel kleben, sagt sich morgens, dass er gut ist, wie er ist. Eine Zeitlang fühlt sich das nach Fortschritt an. Aber je mehr er sich vornimmt, seinen Körper zu lieben, desto deutlicher merkt er, dass er es nicht tut. Am Ende ist da nur ein neuer Druck obendrauf: jetzt soll er auch noch dankbar und positiv sein.
Was Lukas nie jemand gesagt hat: dass er gegen eine Wand rennt, die er gar nicht einreißen muss.
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Was an die Stelle der Liebe tritt
Die Alternative zu „lieb deinen Körper“ ist nicht „hass ihn weiter“. Es ist ein dritter Ort, den die Autorin Jessi Kneeland Body Neutrality nennt. Die Idee ist eine Erleichterung: Du musst deinen Körper nicht lieben, und du musst überhaupt nichts Bestimmtes für ihn empfinden. Neutralität heißt, das Bewerten ganz sein zu lassen, in beide Richtungen.
Das klingt unspektakulär, ist aber ein großer Unterschied. Solange dein Körper geliebt oder gehasst werden muss, bleibt er ein Thema, an dem du arbeitest. In der Neutralität darf er einfach da sein. Nicht als Projekt, das fertig werden muss, nicht als Gegner, den du in den Griff kriegst, sondern als der Ort, von dem aus du dein Leben lebst.
Und das Paradoxe daran: Genau dann, wenn du aufhörst, deinen Körper lieben zu müssen, wird der Druck kleiner. Nicht von heute auf morgen, und auch nicht für immer am Stück. Aber Stück für Stück entsteht etwas, das tragfähiger ist als jede Affirmation: ein ruhiges Auskommen mit dem Körper, in dem du sowieso lebst.
Ein erster Schritt
Du musst dafür nichts an dir lieben lernen. Der erste Schritt ist viel kleiner: das nächste Mal zu bemerken, wenn du dir vornimmst, deinen Körper endlich gut finden zu müssen. Und in diesem Moment den Anspruch einfach fallen zu lassen. Nicht ins Positive drehen, nicht ins Negative, sondern den Körper für einen Augenblick gar nicht bewerten. Nur bemerken, wie oft du ihn vor Gericht stellst. Das allein verändert schon, wie laut das Urteil ist.
Wie aus dem Bemerken nach und nach eine andere Haltung wird, lässt sich allein schwer üben. Es ist die Bewegung, um die sich am Ende alles dreht: den eigenen Körper nicht mehr von außen zu bewerten, sondern ihn von innen zu bewohnen. Das geht leichter mit anderen, die denselben Weg gehen.
Genau dazu gibt es ein eigenes Modul im Queer Space Selbstwert Gym, in dem es darum geht, vom Bewerten zurück ins Bewohnen zu finden. Wer sich tiefer damit beschäftigen und gemeinsam mit anderen queeren Männern daran arbeiten will, kann das Gym sieben Tage kostenlos im Probetraining ausprobieren.
Wenn du erst einmal kleiner anfangen willst: Mein Selbstwert Boot Camp, ein 5-tägiger kostenloser E-Mail-Kurs für queere Männer, ist ein guter erster Schritt.
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