Hast du dich schon einmal gefragt, warum du manchmal auf Situationen stärker reagierst, als du es eigentlich möchtest?
Oft steckt dahinter nicht der erwachsene Teil von dir, sondern alte Prägungen, die noch in dir wirken. Man kann sich das gut wie die Ringe eines Baumes vorstellen: Jede Lebensphase legt eine neue Schicht an. Die älteren Ringe verschwinden nicht – sie bleiben Teil des Ganzen und beeinflussen, wie stabil der Baum wächst. So ist es auch mit uns: Erfahrungen aus der Kindheit prägen unser Erleben bis ins Heute.
Was ist das innere Kind?
Das innere Kind beschreibt die frühen Prägungen, die wir in uns tragen. Es umfasst sowohl die positiven Seiten – Neugier, Kreativität, Lebendigkeit – als auch die belastenden: Unsicherheit, Scham oder die Angst, nicht dazuzugehören. Es handelt sich dabei nicht um ein esoterisches Konzept, sondern um ein anschauliches Bild dafür, dass neuronale Muster, die sich in der Kindheit gebildet haben, weiterhin bestehen. Sie beeinflussen, wie wir fühlen, denken und handeln – auch wenn wir längst erwachsen sind.
Das bedeutet: Wir alle tragen diese frühen Schichten in uns. Sie sind Teil unseres Fundamentes und bestimmen mit, wie wir uns selbst sehen und wie wir mit anderen in Beziehung treten.
Warum innere Kind-Arbeit wichtig ist
Unsere frühen Prägungen laufen oft wie automatische Programme im Hintergrund. Sie steuern, wie wir auf Stress reagieren, welche Glaubenssätze wir über uns selbst haben und wie sicher wir uns in Beziehungen fühlen. Manche dieser Programme unterstützen uns, andere engen uns ein.
Innere Kind-Arbeit bedeutet, diese Schichten bewusster wahrzunehmen. Statt alte Muster unbemerkt wirken zu lassen, können wir sie erkennen und uns fragen: Passen sie heute noch zu meinem Leben? Auf diese Weise entsteht die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen und Schritt für Schritt andere Glaubenssätze und Verhaltensweisen zu entwickeln.
Es geht also nicht darum, in der Vergangenheit stecken zu bleiben, sondern im Hier und Jetzt bewusster zu gestalten, wie wir mit uns selbst umgehen. So gewinnen wir mehr Freiheit für die Zukunft.

Wie funktioniert innere Kind-Arbeit?
Innere Kind-Arbeit klingt oft abstrakt, ist in der Praxis aber gut verständlich. Es geht darum, sich die eigenen inneren Schichten bewusster zu machen – und ihnen eine Stimme zu geben. Das kann auf verschiedene Weise geschehen:
- Innere Dialoge: Sich selbst Fragen stellen wie: „Was hätte ich als Kind gebraucht?“ oder „Was würde ich meinem jüngeren Ich heute sagen?“
- Imagination: In Gedanken an frühere Situationen zurückgehen und sie mit der heutigen Perspektive neu erleben.
- Kreatives Arbeiten: Schreiben, malen oder andere Ausdrucksformen nutzen, um Gefühle und Gedanken sichtbar zu machen.
- Reflexion im Alltag: Beobachten, in welchen Momenten man besonders stark reagiert – und ob diese Reaktion eher aus einer alten Schicht kommt als aus der erwachsenen Gegenwart.
Das Ziel ist nicht, in alten Geschichten zu verharren, sondern die eigenen Muster zu erkennen und bewusst neue Erfahrungen darüberzulegen – wie neue Baumringe, die dem Ganzen mehr Stabilität geben. So entsteht Schritt für Schritt mehr Freiheit und Selbstbestimmung.
Das innere Kind queereR Männer
Für queere Männer spielen die inneren Kind- und Jugendanteile oft eine besondere Rolle. Viele erinnern sich schon in der Kindheit an ein diffuses Gefühl, „anders“ zu sein – sei es in der Schule, in der Familie oder beim Spielen mit Gleichaltrigen. Dieses Anderssein prägt die inneren Schichten stark: die Angst, nicht dazuzugehören, oder das Bedürfnis, sich anzupassen, um akzeptiert zu werden.
Im Jugendalter wird dieses Empfinden häufig noch deutlicher. Themen wie Identität, Sexualität und Zugehörigkeit stehen im Vordergrund – doch gerade in dieser Phase erfahren queere Jugendliche nicht selten Ausgrenzung oder das Gefühl, sich verstecken zu müssen. Der innere Jugendliche trägt daher oft Prägungen von Unsicherheit, Scham oder Zurückweisung in sich.
Diese beiden Schichten – das innere Kind und der innere Jugendliche – wirken zusammen und können das Fundament des Selbstwertgefühls beeinflussen. Gleichzeitig liegt hier ein großes Potenzial: Wer diese Anteile bewusst wahrnimmt und integriert, gewinnt an Selbstakzeptanz, Authentizität und innerer Stabilität.
Genau dafür biete ich ein spezielles Innere-Kind-Coaching für queere Männer an, das beide Ebenen berücksichtigt und Raum gibt, diese Schichten bewusster zu gestalten.
Fazit
Das innere Kind steht für die frühen Schichten, die unser Erleben bis heute prägen. Wenn wir lernen, diese Prägungen bewusster wahrzunehmen, eröffnen sich neue Handlungsmöglichkeiten im Hier und Jetzt. Für queere Männer ist diese Arbeit besonders wertvoll, da Kindheit und Jugend oft durch das Gefühl des Andersseins geprägt waren.
Innere Kind-Arbeit ist kein Blick zurück im Schmerz, sondern eine Einladung, das eigene Fundament neu zu gestalten. Wer sich darauf einlässt, gewinnt mehr Selbstakzeptanz, Authentizität und Stabilität für die Zukunft. Psychologische Beratung kann dabei unterstützen, diese Schichten Schritt für Schritt bewusster zu machen und neue Erfahrungen zu verankern.
